vorgetragen von Richard Burger
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Traub, sehr geehrter Herr Stadtkämmerer Seimetz, liebe Kolleginnen und Kollegen des Gemeinderates, liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger.
In den Haushaltsreden der SPD-Fraktion der vergangenen Jahre tauchte bei der Beschreibung der finanziellen Situation der Stadt mit steter Regelmäßigkeit der Begriff "Achterbahnfahrt" auf, auch Bürgermeister Traub gebrauchte in diesem Jahr diesen Begriff und mir scheint er wieder passend zu sein. Warum?
1995 bis 2007 waren zwölf magere Haushaltsjahre, in denen das Geld kaum zum Überleben reichte. Das war Kontinuität, wenn auch nicht so wie wir uns das gewünscht hätten. 2008: Rauf ging es! Unerwartet sprudelnde Steuereinnahmen ermöglichen endlich ungeahnte Gestaltungsmöglichkeiten. 2009: Wieder runter! Nach nur einem glücklichen Jahr hieß es "zurück auf dem Boden", die Wirtschaftskrise hatte Oberkochen erreicht und vorbei war es mit der schöpferischen Herrlichkeit. 2010: Noch weiter runter! Die Wirtshaftkrise hatte uns mit voller Wucht getroffen, neue Schuldenaufnahmen und eine erneute lange Durststrecke mit niedrigen Einnahmen drohten. 2011: Wieder rauf! Wir hatten die schwerste Finanz- und Wirtschaftskrise weit besser als erwartet überstanden, die Einnahmen überstiegen die kühnsten Erwartungen. Aber auch innerhalb des Jahres 2011 war von Planungssicherheit keine Spur. Ging man zunächst von 31 Mio. € Gewerbesteuereinnahmen aus, lag man im Juli bei 56 Mio. €, im November wieder bei 41 Mio. €. Und 2012? Runter! Ganz runter? Ein bisschen runter? 25 Mio. € Gewerbesteuer? 20 - 15 - oder doch "nur" 10,5 Mio. €? Immer noch eine Summe, um die uns andere Kommunen beneiden.
Die Stadtverwaltung, allen voran Stadtkämmerer Seimetz, ist auf jeden Fall nicht zu beneiden, angesichts dieser Unsicherheiten, eine vernünftige Planung vorlegen zu müssen.
Der Gemeinderat musste ebenfalls darauf reagieren und die erst kürzlich aufgestellte Prioritätenliste überarbeiten. Also die Liste, in der die notwendigen Sanierungs- und Investitionsmaßnahmen im Hoch- und Tiefbau, also bei städtischen Gebäuden und bei Straßen, nach ihrer Dringlichkeit zeitlich aufgelistet sind mit der Vorgabe, wann welche Maßnahme umgesetzt werden soll. Die SPD-Fraktion ist sich ihrer Verantwortung bewusst und trägt die Entscheidung mit, nicht sklavisch an der Prioritätenliste festzuhalten, sondern einige für 2012 und 2013 vorgesehene Maßnahmen zu verschieben, um bei der unsicheren Finanzlage eine künftige Verschuldung zu vermeiden. Trotz dieser Verschiebung wird in Oberkochen in 2012 etwa die zehnfache Summe investiert im Vergleich zu den oben angesprochenen "mageren Jahren". Sollte sich die finanzielle Situation im Laufe des Jahres zum Positiven ändern, was angesichts der Achterbahnfahrt nicht verwunderlich wäre, so könnten die verschobenen Maßnahmen durchaus wieder vorgezogen werden.
Lassen sie mich ehe ich das Jahr 2012 beleuchte, kurz einige Anmerkungen zum abgelaufenen Jahr 2011 machen. Mit dem Abschluss der Rathaussanierung für rund 8 Mio. € wurde ein weiterer "großer Brocken abgearbeitet". Darüber hinaus wurden die Sperberstraße und das Hasengässle saniert, der Kreisel beim Gewerbegebiet und der EDEKA-Markt fertig gestellt und mit der Neugestaltung des Eugen-Bolz-Platzes und der Sanierung der Seniorenwohnungen im Jägergässle begonnen. Die Aussegnungshalle auf dem städtischen Friedhof wurde - nach jahrelangem Nachbohren unserer Kollegin Doris Meisel - saniert und hervorragend und pietätvoll gestaltet, wovon wir uns gerade überzeugen konnten. Damit seien nur einige Punkte aus dem umfangreichen Programm herausgegriffen. Über dieses "Tagesgeschäft" hinaus hat die SPD-Fraktion in ihrer Haushaltsrede 2011 vier Bereiche genannt, die für die SPD-Fraktion langfristige, strategische Entwicklungsziele unserer Stadt Oberkochen bedeuteten und die nach unserer Ansicht unbedingte Priorität genießen. Es waren dies erstens der Bereich Energieversorgung, Ökologie und Klimaschutz, zweitens der Komplex Bildung, Betreuung, Jugend- und Sozialarbeit, drittens das weite Feld der kulturellen Entwicklung unser Stadt, verbunden mit viertens, der innerstädtischen Entwicklung.
Gerade auf diesen vier Feldern hat sich im vergangenen Jahr außerordentlich viel bewegt und es sind die Weichen in die richtige Richtung gestellt worden. Im Bereich Energieversorgung beteiligt sich die Stadt an Windparks und ist dabei das Stromnetz zu übernehmen, um so die Bevölkerung flexibel, bürgernah und preisgünstig mit Strom, Gas, Wasser zu ver- und von Abwasser entsorgen zu können. Im Bereich Jugend- und Sozialarbeit sind die Zeiten vorbei, in denen unsere Anträge auf 5000 Mark (!) für die Jugendarbeit abgelehnt wurden. Inzwischen ist weitgehend Konsens eingekehrt, die hervorragende Jugendarbeit findet wie von uns vorgeschlagen in den neu renovierten Räumen des alten Postgebäudes statt und die Schulsozialarbeit in der Dreißentalschule, auf die ich später noch einmal eingehen werde, wird ebenfalls wie von uns vorgeschlagen intensiviert. Was sich auf dem Gebiet der Kultur im letzten Jahr in Oberkochen getan hat, übertrifft sogar unsere Vorschläge und Anträge bei weitem. Mit der Bürgerstiftung kann endlich, endlich die kulturelle Arbeit auf solide Beine gestellt und breit gefächert durchgeführt werden. Erste Früchte dieser Arbeit durften wir bereits erleben. Und schließlich ist auf dem Gebiet der innerstädtischen Entwicklung gerade der von der SPD-Fraktion angeregte Dialog mit den Bürgern und Vereinen über ein Konzept für Sport- und Veranstaltungshallen in Oberkochen angelaufen. Auch darauf werde ich später noch eingehen.
Auf allen nach Meinung der SPD-Fraktion strategisch wichtigen Bereichen hat sich die Stadt also in die richtige Richtung bewegt und für die Zukunft richtig positioniert. Insofern war das Jahr 2011 aus unserer Sicht ein wichtiges, zukunftweisendes Jahr für die Stadtentwicklung.
Aus den umfangreichen geplanten Vorhaben für 2012 und die folgenden Jahre möchte ich wieder vier Bereiche heraus greifen und aus Sicht der SPD-Fraktion kommentieren.
Dies waren nach Meinung der SPD-Fraktion die wichtigsten im Jahr 2012 anstehenden Entscheidungskomplexe. Nicht unerwähnt lassen möchte ich jedoch einige andere Projekte in 2012. Der erste Schritt in Sachen "Hallenkonzept" wird nämlich bereits in diesem Jahr mit der Sanierung der EAG-Halle getätigt. Das Freizeitbad aquafit, eine aus Sicht der SPD-Fraktion wichtige Einrichtung für die Oberkochener Bevölkerung, insbesondere für Kinder und Familien, bedarf wieder einer dringenden Sanierung. Leider haben Voruntersuchungen ergeben, dass der Sanierungsaufwand mit rund 6 Mio. € insbesondere für die Technik deutlich höher als erwartet ist. Der Gemeinderat hat sich zwar fast einstimmig für die Sanierung und gleichzeitig für die Erweiterung des Caféteria- und Außenbereichs und damit für eine deutliche Attraktivitätssteigerung ausgesprochen, leider ist aber schon die Planung dafür in diesem Jahr nicht zu schultern. Sollte sich die finanzielle Situation 2012 über die Erwartungen hinaus positiv entwickeln, so müsste diese aufgeschobene Planung nach Meinung der SPD-Fraktion doch wieder vorgezogen werden.
Die uneingeschränkte Unterstützung der SPD-Fraktion findet das Projekt Kreativwerkstatt und Café "Samocca" in den Räumen des ehemaligen Bonus-Marktes. Dadurch erfährt zum einen der neu gestaltete Eugen-Bolz-Platz eine deutliche Aufwertung und zum anderen wird das kulturelle Angebot in Oberkochen weiter ausgebaut. Bleibt zu hoffen, dass das Café, dessen Fehlen in Oberkochen immer wieder bedauert wird, von der Bevölkerung auch angenommen wird.
Ebenso uneingeschränkt unterstützt die SPD-Fraktion die Bestrebungen, die Nutzung von Windkraft in der Region vor Ort selbst in die Hand zu nehmen, Bürgerinnen und Bürger einzubeziehen und am möglichen Profit zu beteiligen, anstatt das Feld ausländischen Investoren für deren schnelle Profite zu überlassen. Der gesamte Bereich "Energie" mit Windparkbeteiligung an der Nord- und Ostsee, Stromnetz, Blockheizkraftwerken, Fotovoltaik fände damit eine logische Fortsetzung und Abrundung.
Ich habe versucht, für die SPD-Fraktion zu beleuchten was war, was in diesem Jahr umgesetzt wird und was in näherer Zukunft an Entscheidungen ansteht. Zum Schluss möchte die SPD-Fraktion ein Thema zur Sprache bringen, das uns sicher mittelfristig beschäftigen wird: wie gehen wir künftig mit Senioren in Oberkochen um? Auch wenn es uns gelingt, junge Familien mit Kindern in Oberkochen anzusiedeln, so führt kein Weg daran vorbei, dass unsere Gesellschaft altert - vor allem auch in Oberkochen. Wir haben hier zwar Altenwohngebäude, deren Sanierung gerade anläuft, ein Altenpflegeheim, wir denken über betreutes Wohnen nach. Aber genügt das? Wie sieht es mit einem Treffpunkt für Senioren aus? Welche Möglichkeiten der Lebensgestaltung vor Ort sind vorhanden? Welche werden in Zukunft nötig sein? Brauchen wir künftig neben einem Jugendzentrum auch ein Seniorenzentrum? Mit Betreuung? Was können aktive Senioren selbst dazu beitragen? Ist möglicherweise das leer stehende Gebäude in der Feigengasse, das kurzzeitig für den Jugendtreff vorgesehen war, dafür geeignet? Brauchen wir wie andere Städte einen Seniorenrat? Wir sollten uns rechtzeitig Gedanken machen... Die SPD-Fraktion regt hiermit diesen Denkprozess an.
Am Ende meiner Ausführungen danken wir Ihnen Herr Bürgermeister Traub stellvertretend für alle Mitarbeiter der Verwaltung, des Bauhofs und aller städtischen Einrichtungen für die geleistete Arbeit.
Oberkochen hat sich außerordentlich gut entwickelt. Wir danken speziell Herrn Stadtkämmerer Seimetz, der wieder einen soliden Haushaltsplanentwurf vorgelegt hat und der wie immer dafür sorgt, dass wir nicht überheblich werden.
Wir bedanken uns auch bei allen Kolleginnen und Kollegen im Gemeinderat für die gute Zusammenarbeit, verbunden mit der Freude auf viele visionäre Entscheidungen in diesem Jahr. Wir danken schließlich den Steuerzahlern, deren Geld wir nach bestem Wissen und Gewissen verwalten und zum Wohle und zur Weiterentwicklung der Stadt Oberkochen einsetzen werden, wiederum verbunden mit der Bitte: nehmen Sie am öffentlichen und politischen Leben unserer Stadt teil, engagieren Sie sich - auch in Vereinen, interessieren sie sich für das inzwischen reichhaltige kulturelle Angebot und kaufen Sie in Oberkochener Geschäften, damit wir eine lebendige Stadt bleiben.
Die SPD-Fraktion stimmt dem Haushalt in der vorliegenden Fassung zu.
Der Erlös aus dem letztjährigen Stadtcafé, vom SPD-Ortsverein aufgestockt auf 600 Euro, konnte erstmals direkt an Lucymeire Ferraz Araujo Ulmer, die Präsidentin von "Projeto Crescer" (deutsch: wachsen und gedeihen) ,übergeben werden, obwohl die SPD-Fraktion dieses Entwicklungshilfeprojekt schon seit vielen Jahren unterstützt.
Denn es ist seit vielen Jahren üblich, die Fraktionskollegen zum Geburtstag einzuladen. Statt eines Geschenks wird ein Geldschein zu überreichen, der dann gespendet wird.

Die beiden Ellwanger Brüder Christoph und Hans-Jörg Ulmer und dessen brasilianische Ehefrau Lucymeire Ferraz Araujo Ulmer initiierten die Gründung einer Halbtagsschule im Armenviertel von Lauro de Freitas (Brasilien). Die Schule "Projeto Crescer" bietet inzwischen 115 Kindern, die kaum eine Chance hätten die Favelas jemals verlassen zu können, nicht nur Schul- und Lebensraum, sondern leistet ganzheitliche Hilfe von den alltäglichsten Dingen bis hin zur Berufsfindung.
Für die Unterstützung dieses Projektes wurde in Deutschland von Christoph Ulmer und einigen Mitstreitern eigens der Verein "Villa Social e.V." gegründet, der mit seinen Mitgliedsbeiträgen die Organisation und Spendentransfers schultert, so ist sichergestellt, dass jeder gespendete Euro bei den bedürftigen Kindern ankommt.
Auch viele Bürger aus dem Ostalbkreis sowie Schüler des Hariolf-Gymnasiums in Ellwangen unterstützen die Schule mit Spenden.
"Wir versuchen nachhaltig, das Entwicklungshilfeprojekt auf stabile Beine zu stellen, aber wir sind derzeit noch mehr denn je auf regelmäßige und großzügige Spenden angewiesen", betonte die Präsidentin von "Projeto Crescer" bei der Spendenübergabe durch den SPD-Ortsverein Oberkochen.
Spendenkonto: Villa Social e.V., Deutsche Bank, IBAN DE19500700240060975000, BIC/SWIFT-Code DEUTDEDBFRA
(ls/am)
In den vergangenen Wochen wurden Behauptungen in die Öffentlichkeit getragen, die die Bevölkerung verunsichert haben. Daher sehen sich die Gemeinderatsfraktionen von CDU und SPD veranlasst, Dinge richtig zu stellen und Fakten zu nennen und die Entscheidung für das Baugebiet "Wolfertstal" zu begründen.
Wir haben die Entscheidung für das "Wolfertstal" nicht leichtfertig und mit "frohem Herzen" getroffen. Das würden wir bei keinem neuen Baugebiet tun, denn jedes Baugebiet in Oberkochen - egal wo - greift in ein Naherholungsgebiet ein. Aber da die Bevölkerung in Oberkochen dramatisch zurück geht, hat der Gemeinderat die Pflicht, diesen Rückgang zumindest zu verlangsamen, wenn möglich zu stoppen, weil er Verantwortung für ganz Oberkochen und die Zukunft unserer Stadt trägt. Nur so können wir unsere Infrastruktur aus Schulen, Kindergärten, Freizeitbad, Bücherei etc., aber auch eine Grundversorgung durch Handel und Gewerbe auf Dauer erhalten. An den Leerständen von Läden in der Innenstadt ist bereits jetzt schon deutlich das Fehlen von fast 1000 Einwohnern gegenüber 1996 zu erkennen. Wir können dem Bevölkerungsrückgang nicht tatenlos zusehen, um uns nicht der Gefahr auszusetzen, als Anhängsel einer großen Kommune fast ohne eigenen Entscheidungsspielraum zu enden.
Wer lange im Gemeinderat arbeitet wird im Laufe der Jahre unweigerlich die Erfahrung machen, dass fast jede Entscheidung von einem Teil der Bevölkerung kritisch oder ablehnend gesehen wird. Oft haben sich diese Menschen nie oder nur in geringem Maße für die Arbeit des Gemeinderates interessiert - bis zu dem Zeitpunkt, da sie von einer Entscheidung des Gremiums direkt betroffen sind. Dann soll plötzlich der Gemeinderat diese Entscheidung nach ihren persönlichen, höchst individuellen Interessen ausrichten. Genau das kann der Gemeinderat aber nicht! Er muss die Interessen, das Wohl und die Zukunft der gesamten Gemeinde im Auge haben - auch wenn es für den Einzelnen schmerzhaft und zum Nachteil sein sollte.